Django Unchained

16 Jun

django unchained

awesomatik auf Buchfühlung
Django unchained – Quentin Tarantino

Während eines Sklaventransfers wird Django vom deutschen Kopfgeldjäger Dr. Schultz befreit. Im Gegenzug soll dieser ihm helfen einen Gesetzlosen zu überführen. Nach einem gelungenen Einstand bildet Dr. Schultz Django zum Revolverhelden aus. Gemeinsam sind  sie ein unschlagbares Team. Nach einigen erfolgreich absolvierten Aufträgen, bittet Django Dr. Schultz ihm bei der Befreiung seiner Frau Broomhilda aus den Fängen des grausamen Plantagenbesitzers Calvin Candie zu helfen. Einem spektakulären Showdow steht nichts mehr im Wege.

Wow. Was für ein Skript! „Django unchained“ ist Tarantino pur und in Hochform. Kompromisslos, hart, innovativ. Ursprünglich als Spaghetti-Western gedacht, kreiiert Tarantino sein ganz eigenes Genre – den „Southern“.

Das 168 Seiten starke Skript liest sich in einem Zug weg und sprüht nur so vor Liebe zum Film. Messerscharfe Dialoge, coole Helden und grausame Bösewichte.
Tarantino wirkt dabei sehr fokussiert. Keine Filmminute wird vergeudet. In „Django unchained“ gibt es weder Dialoge über Madonna Songs noch Monologe über Superman. Alle Konversationen treiben die Handlung gnadenlos voran zum furiosen Finale. Dabei zieht Tarantino meisterhaft die Spannungsschrauben an.
Die kleinen bis großen Rhythmusschwächen aus „Kill Bill“, „Inglorious Basterds“ und „Death Proof“  wurden hier ausgemerzt. Die ganze Geschichte wirkt so rund wie noch nie. Und bleibt dabei 100 % Tarantino. Und das härter als je zuvor.

Eins steht jetzt schon fest, der Film wird schockieren. Hauptkulisse bildet der Sklavenhandel mit all seiner Grausamkeit. Die menschenverachtende Art mit der die Sklaven behandelt werden, sorgt dafür, dass beim Zuschauer permanent das Blut kocht. Sklaven werden lebendig Hunden zum Fraße vorgeworfen, müssen sich zur Belustigung der Weißen im Ring bis zum Tod bekämpfen und viele andere unerträgliche Qualen erleiden. Das N-Word fällt häufiger als Hüllen in einem Striplokal und die Wahllosigkeit mit der die Sklavenhalter ihre Leibeigenen malträtieren sorgt dabei ähnlich wie schon in anderen Tarantino-Filmen für einen stetigen Spannungszustand. Zu jeder Zeit scheint eine Eskalation der Gewalt möglich zu sein. So fällt es den Zuschauern leicht Django’s Kontrahenten zu hassen.

Zwischen all dem Gräuel, dem Hass und der Mitleidlosigkeit gibt es mit Dr. Schulz einen Protagonisten, der mit spitzer Zunge, Charme und ironischer Lässigkeit für befreiende Komik sorgt. Der sympathische Kopfgeldjäger ist eine mehr oder weniger exakte Kopie von Hans Landa in „Inglorious Basterds“, nur dass Christoph Waltz hier den Helden mimen darf. Auch der Bösewicht Calvin Candie ist mit all seiner gnadenlosen Härte nicht uncharmant.

Neben ausgefallenen Charakteren und einer rasanten Story hat sich Tarantino außerdem einige interessante Stilmittel einfallen lassen. So gibt es im zweiten Kapitel plötzlich einen Erzähler, der wie ein Märchenonkel als Off-Stimme die Geschichte von Django’s Liebe Broomhilda vorträgt. Auch visuell kann man sich auf eine prächtige Südstaaten Kulisse freuen. Mehrfach beschreibt Tarantino die Herrlichkeit der Landschaft, die im Kontrast zur menschlichen Gewalt steht.

Fazit
Man kann sich schon jetzt auf den Film freuen (Weihnachten 2012). Aber auch das Skript ist absolut empfehlenswert und eine einzigartige Leseerfahrung. Im Gegensatz zum Film bekommt man hier einen schönen Einblick in die Arbeit von Tarantino. Neben der reinen Geschichte gibt er immer wieder interessante Anmerkungen zu Charakteren und Setting.
Kritisch anmerken könnte ich nur, dass der Protagonist Dr. Schulz zu viel Ähnlichkeit mit Hans Landa hat und dass der Showdown sehr klassisch ausfällt.

Insgesamt beweist Quentin Tarantino einmal mehr, dass er ein Ausnahmeregisseur ist, der auch noch im Mittelmaß besser ist als der ganze Hollywoodeinheitsbrei. Mit „Django Unchained“ erlebt man ihn in absoluter in Bestform. Eine berauschende Lektüre, die man sich nicht entgehen lassen sollte!


Wertung 5/5

1. Geht gar nicht     2. Is OK     3. Gut    4. Richtig gut     5. awesomatik!


awesomatik Kuriosum

Federico Mancosu hat  dieses starke Fanposter gebastelt. Passt wie die Faust aufs Auge und der Strick um den Hals! 

Django unchained - Federico Mancosu

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4 Antworten zu “Django Unchained”

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    […] das Drehbuch zu Django Unchained fand ich sensationell (und um einiges besser als den Film) und so konnte ich es kaum erwarten meine Augen auf den […]

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